Die Notwendigkeit der Aktivierung der Glutealmuskulatur ist weitestgehend bekannt. Aufgrund der sowohl leistungssteigernden als auch verletzungsrisikominimierenden Effekte soll es an dieser Stelle nochmals explizit verdeutlich werden.

Leistungssteigernde Effekte

Die Gluteale Muskulatur setzt sich zusammen aus M. gluteaus maximus, M. Gluteus medius und M. Gluteus minimus. Ersterer ist der primäre und sogleich stärkste Hüftstrecker. Die Aufgaben der beiden anderen Muskeln sind primär die Außenrotation und Abduktion des Oberschenkels. Viele Bewegungsabläufe im Sport gehen mit einer explosiven Hüftstreckung einher. So sind vor allem Sprinten und Springen zentraler Bestandteil der Grundbewegungen vieler Sportarten. Ein erhöhter Aktivierungszustand wirkt sich demzufolge positiv auf diese leistungsdeterminierenden Bewegungsabläufe aus.

Verletzungsminimierende Effekte

Auch in Bezug auf die Verletzungsprophylaxe hat eine hohe M. Gluteus Maximus-Aktivierung eine wichtige Rolle. So zum Beispiel bei Landungen. Um möglichst knieschonend zu landen und ggf. direkt wieder eine explosive Hüftstreckung nachschalten zu können ist es wichtig, die Belastung auf das Hüftgelenk zu verlagern, da die Glutealmuskulatur wesentlich stärker ausgeprägt ist. Ein Großteil der Bewegung sollte im Hüftgelenk stattfinden und nicht in Kniegelenk. Hinzu kommt, dass durch das bereits angesprochene häufige und lange Sitzen die Gesäßmuskulatur in der Aktivierung reduziert ist, da sie beim Sitzen in ei- ner gedehnten Stellung ist und somit in der Innervation eher gehemmt wird.

Unabhängig welche der beiden Zielstellungen man verfolgt, zeigen sich die Vorteile eines sogenannten hüftdominanten Bewegungsmusters. So wirkt der der Gluteus maximus beispielsweise beim Landen in der Exzentrik entschleunigend und gleichzeitig sorgt der außenrotierende und abduzierende (abspreizende) Anteil für eine stabile Beinachse.

Im Sport sind Verletzungen der ischiocruralen Muskulatur (Oberschenkelrückseite) relativ häufig. Diese Muskulatur streckt unter anderem, wie der M. Glu- teus maximus, das Hüftgelenk. Im Vergleich zum M. Gluteus maximus, setzten diese Muskeln in einem biomechanisch ungünstigeren Winkel am Becken an und können demzufolge nur ein geringeres Kraftmoment für die Streckung des Hüftgelenks bewirken. Arbeitet der M. Gluteus maximus nicht effektiv während einer Hüftstreckung, so übernimmt die ischiocruale Muskulatur die Rolle des primären Hüftstreckers. Aufgrund des, aus biomechanischer Sicht, ungünsti- gen Winkels der ischiocrualen Muskulatur, ist diese bei wiederkehrenden Be- lastungen häufig überlastet. Diese Überlastungen können auf längerer Zeit zu nachhaltigen Beschwerden oder sogar Verletzungen führen. Demzufolge ist es wichtig, dafür zusorgen, dass die M. Gluteus maximus effektiv die Hüfte streckt und bei wiederkehrenden Bewegungsabläufen entsprechend voraktiviert wird. Der Mm. Gluteus medius und der Mm. Gluteus minimus besitzen ebenfalls eine wichtige Rolle in der Verletzungsprophylaxe. So stabilisieren diese Muskeln das Kniegelenk in der Frontalebene und verhindern einen medialen Kollaps.

Übungen zur Ausprägung der Glutealmuskulatur

 

Hinweis

Auch wenn in der vorangegangenen Beschreibung von den unterschiedlichen Anteilen der Gesäß- bzw. Glutealmuskulatur gesprochen wurden, so wird dies im Regelfall im weiterführenden Skript vereinheitlicht. Dies liegt daran, dass die unterschiedlichen Anteile eine stark miteinander verbundenen neuronale Aktivierung haben und somit nur bedingt isoliert trainiert bzw. aktiviert werden können.